Seelsorge
Als spezielle Form der Seelsorge: Hagio-Therapaia

Pfarrer Werner Heß:
10 Jahre Seelsorge in der Praxis führten mich zur "Hagio-Therapaia" nach Prof. Dr. Tomislav Ivancic. "Hagiotherapaia" heißt übersetzt: Heilung des Heiligen im Menschen durch den Heiligen Gott. Gott, der Heilige, ist der eigentliche Arzt des Menschen und er selbst die beste Medizin für den Menschen. Der geistliche Helfer, so nennt sich derjenige, der hagiotherpeutisch arbeitet, ist lediglich ein Vermittler zwischen Gott und den Menschen.
Durch sein Gebet für und mit dem Patienten, d.h. mit dem Mensch, der leidet, durch seine Belehrungen über die Grundwahrheiten des christlichen Glaubens (über Erlösung, Jesus Christus, die Sakramente u.ä.), durch sein eigenes Offensein auf Gott hin, gibt er Raum für Gottes heilendes Wirken.

In der "Hagio-Therapaia" geht es um die Heilung "geistlicher" Wunden, um "innere Heilung". Frühere belastende Erfahrungen werden dabei mittels verschiedener "geistlicher Medikamente" aufgearbeitet: Heilungsgebete, Vergebung annehmen und gewähren, Wachsen im Wort Gottes, Feiern der Sakramente, u.ä.. Der Geist des Menschen kann in verschiedenen Intensitäten krank werden durch "Be-Leidigungen", d.h. wenn ihm in irgendeinem Stadium seines ganzen irdischen Lebens Leid zugefügt wurde, ganz gleich, ob absichtlich oder unbeabsichtigt, durch die eigene Begierde, das heißt das eigene Sündigen, und durch den Bösen, Satan. Wird der Geist des Menschen wieder eins mit dem Geist seines Schöpfers und himmlischen Vaters, so heilt er, wird heil, der Mensch heilig und glücklich.
Die Hagiotherapaia will nichts anderes als dabei behilflich sein, dass die Rettung, die Jesus Christus uns auf Golgotha erworben hat, im Leben des einzelnen erfahrbar wird.
Sie ist eingebettet in die Evangelisation, d.h. in die Annahme des Glaubens an Jesus Christus, der oftmals gesagt hat: Dein Glaube hat dir geholfen! Dieses innere Heilwerden hat oftmals auch ein Heilwerden von Psyche und Körper zur Folge.

In unserer Pfarrei gibt es regelmäßig "Tage der Inneren Heilung" (siehe "Veranstaltungen"), an denen man Hagiotherapaia kennenlernen kann, sowie nach Vereinbarung das Angebot der "Hagio-Therapaia" für den Einzelnen. Im Gegensatz zum charismatischen Heilungsgebet, geht man hier - ebenfalls charismatisch, d.h. Geist geführt - einen Weg der Heilung, was der oft jahrzehntelangen Genese von Leid bei weitem besser entspricht. Im Gegensatz zur Psychoanalyse geht es nicht primär um Gespräch, sondern nach einer kurzen Analyse und Diagnosestellung um das heilende Gebet, in dem der Geist des Menschen mit dem Geist Gottes, d.h. mit Gott selber wieder eins wird. Gott hat hier schon ungezählte Male wunderbare Heilungen (auch des dazugehörigen Umfeldes, z.B. der Familie), geschenkt.

Der Mittwoch jeder Woche ist speziell der Hagiotherapeutischen Seelsorge reserviert.
Wenn Sie mehr wissen wollen... Anruf genügt!

 

Hier eine Meditation zu Hagio-Therapaia
 
Statisch oder Dynamisch?
 
 
Zu dem Bild: Die barmherzige Dreifaltigkeit


Mitte:
Der Mensch ist Mittelpunkt dieses Bildes, um ihn dreht sich alles.
Er ist dunkler dargestellt, wie Erde.
Er liegt fast leblos oder krank da, gefangen in seinem Kreis.
Er kann über sich selbst nicht hinaus, nicht er selbst kann er sein, so elend ist er.
Er braucht alles.
Und weil er alles braucht, gibt Gott ihm alles.
Die absolute Bedürftigkeit des Menschen ist der Magnet, der die Fülle Gottes anzieht,
nicht die großen Taten und Tugenden!

Rechts:
Gott als Schöpfer und Vater ist hier dargestellt.
Er tritt aus seinem Kreis auf den Menschen zu.
Er offenbart sich als der "Ich bin da für dich".
Er kommt von oben, beugt sich aber herab, kniet sich fast hin, um den Menschen ganz zu umfangen, zu stützen, zu bergen, zu küssen.
Der Mensch kann sich anlehnen, ausruhen, da sein in seiner ganzen Ohnmacht.
Er muß nichts tun. Die Geschichte von der Heimkehr des verlorenen Sohnes steckt darin.
Er wird liebevoll empfangen, darf ganz zuhause sein.
Er erfährt die volle Zuwendung des Vaters.

Links:
Jesus als Erlöser in einer ganz anderen Haltung, als wir das gewohnt sind.
Er wird nicht am Kreuz dargestellt, sondern ganz klein, kniend, die Füße des Menschen küssend. An seiner Hand, mit der er den Fuß zärtlich umfängt, ist die Wunde zu sehen.
In Jesus ist Gott Mensch geworden, d. h. ganz klein. Er kommt von unten, dienend.
Die Demut Gottes in Person. Er durchbricht seinen Kreis auf den Menschen hin, bleibt nicht unberührbar, unerfahrbar, sondern er berührt.
Mit den Füßen berührt der Mensch die Erde, ist er an diese Erde gebunden, an Sünde und Tod. Jesus löst diese Gebundenheit. Er ist Erlöser, Befreier und Heilbringer.

Oben:
Der heilige Geist in Gestalt der Taube, mit Feuerflammen und Sturm durchbricht seinen Kreis auf den Menschen hin. Diese Bewegung ist nicht mehr so zärtlich und ruhig.
Sie wirkt wie ein Angriff, eher bedrohlich und beängstigend.
Er zielt auf die Mitte des Menschen. Da muß Leben hinein, göttlicher Hauch, Odem Gottes. Gott will nicht, daß der Mensch so krank, leblos und gebunden ist.
Er will ein lebendiges, kraftvolles Wesen, ihm ähnlich. Die Erfahrung der Barmherzigkeit des Vaters und der Zuwendung des Sohnes macht Mut zur Öffnung auf diesen angreifenden Heiligen Geist hin. Und das Erfülltwerden mit dem Heiligen Geist läßt diesen Menschen erst zum Vater und zum Sohn hinfinden, hineinfinden in diese lebendige Gemeinschaft und daran teilnehmen.
Gott selbst trifft sich im Kreis des Menschen. Soweit kann er aus sich herausgehen.
In diesem Aus-sich-herausgehen entsteht wieder neue Gemeinschaft in Gott.
Nie verliert er sein Wesen. Wenn der Mensch aufsteht, wird er auch über seinen Kreis hinausragen. Er wird zu klein für ihn sein. So tritt er ein in die Beziehung nach allen Seiten.

Wie komme ich in dieses Bild hinein?
Ich bin Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und liebenden Zuwendung Gottes, von Anfang an bis in die Ewigkeit. In der Dreifaltigkeit Gottes bin ich nicht Außenseiter,
sondern mitten drin, "insider"!

Ich versetze mich in die Mitte hinein.
Ich bin dieser Mensch.
Ich lasse Gott an mich heran.
Ich spüre Gott als meinen Schöpfer und Vater, der mich umfängt, vergibt und ein Zuhause gibt.
Ich spüre Jesus als meinen Erlöser, der mich heilt, mir die Füße wäscht, mir Zärtlichkeit schenkt und mir als Bruder begegnen will.
Ich spüre den Heiligen Geist, der mich beleben, beatmen, aufrichten und anfeuern will.
Ich spüre auch meine Angst und Verschlossenheit vor diesem Angreifer.
Ich spüre meine Sehnsucht nach Leben und Aufatmendürfen und bitte:
"Komm, Heiliger Geist"!

Das Bild ist dynamisch, obwohl es auf den 1. Blick eher statisch wirkt. Es will etwas geschehen, vorwärtskommen. Der Mensch soll aufblühen.
Empfinde ich noch das dauernde, geduldige und liebende Wirken Gottes an mir als Prozeß,
der noch lange nicht zu Ende ist?

 
Verfasser: Sr. Magdalena Hagelauer (Bild: Sr. Clara)